Menschen stärken

In Deutschland können rund 6,2 Millionen Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben. Darunter sind Erwachsene, die nur einzelne Buchstaben, einzelne Wörter und auch nur kurze Sätze lesen und schreiben könnten. Für rund die Hälfte dieser Menschen ist Deutsch die Muttersprache. Sie sind in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen und trotzdem fehlen ihnen diese Kompetenzen. Die Betroffenen verschleiern ihre Probleme, da sie in der Vergangenheit deswegen stigmatisiert wurden. Der Besuch eines Lernangebotes stellt daher eine große Hürde da. Weswegen nur rund ein Prozent ein Lese- oder Schreibangebot besucht.

Für diese Menschen wurde das Projekt "Delta Netz Transfer" ins Leben gerufen. Die Projektmitarbeiter*innen arbeiten gemeinsam daran:

  • mehr Betroffene in Lernangebote zu vermittelt und
  • Bedingungen zu schaffen, die es Lerner*innen ermöglicht dauerhaft zu Lernen.

Gering Literalisierte

12,1 % der erwachsenen Bevölkerung können nicht ausreichen lesen und schreiben.

Männer

58,4 % der gering literalisierten Erwachsenen sind Männer

Herkunftssprache

für 52,6 % der gering literalisieren Erwachsenen ist Deutsch die Herkunftssprache

Hauptschulabschluss

40,6 % der gering literalisierten Erwachsenen haben einen niedrigen Schulabschluss (z.B. Hauptschulabschluss)

kein Schulabschluss

22,3 % der gering literalisierten Erwachsenen haben keinen Schulabschluss

Erwerbstätig

62,3 % der gering literalisierten Erwachsenen sind erwerbstätig

Angestellte & Arbeiter*innen

Der Großteil der erwerbstätigen gering Literalisierten sind Angestellte (62,1%) oder Arbeiter*innen (14,8 %)

ohne Schulabschluss

54,5 % der Menschen ohne Schulabschluss haben geringe Lese- und Schreibkomptenzen

Haushalt

Der Großteil der gering literatlisierten Erwachsenen lebt mit anderen Menschen zusammen (83,1%)

Im Vorgängerprojekt "Delta Netz" wurden schon einige Maßnahmen umgesetzt:

  • Die Etablierung von niedrigschwelligen, offenen und lebensweltnahen Lernangeboten.
  • Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, des wissenden Umfelds und der Einrichtungen im Sozialraum der Betroffenen.

In der aktuellen Projektphase "Delta Netz Transfer" sollen diese Maßnahmen weiter ausgebaut und in Konzepte gefasst werden. Sowie durch zwei weitere Maßnahmen ergänzt werden:

  • Etablierung einer sozialpädagogischen Begleitung der Lerner*innen in der gesamten Förderkette.
  • Transfer der Projektarbeit und -ergebnisse über die Projektlaufzeit hinaus.

Sensibilisierung und Schulung

Es gibt mehrere Wege gering literalitsierte Teilnehmer*innen zu akquirieren. Ein Weg besteht darin das wissende Umfeld und Partner die im Sozialraum der Betroffenen arbeiten einzubinden.

Partner im Sozialraum:

  • Berater*innen im Jobcenter
  • Schulsozialarbeiter*innen
  • Mitarbeiter*innen in Kita's (Elterngespräche)
  • lokale Unternehmen
  • psychologische Praxen
  • Hilfeeinrichtungen (z.B. Jugendhilfe, Familienhilfe)
  • Jugend- und Sozialämter
  • Schuldnerberatung
  • Mehrgenerationenhäuser
  • Familienzentren

Bei diesen Partnern fallen die Betroffenen aus unterschiedlichsten Gründen auf. Sind die Partner für das Thema sensibilisiert oder sogar geschult können sie die Betroffenen

  • erkennen,
  • stigmatafrei ansprechen und
  • in Lernangebote vermitteln.

An den Projektstandorten werden solche Schulungen und Sensibilisierungen gemeinsam mit den Partnern im Sozialraum geplant und durchgeführt. Dazu werden im Projekt "Delta Netz Transfer" verschiedene Konzepte für Schulungen und Sensibilisierungen entwickelt. Diese Konzepte werden auf die Bedarfe der jeweiligen Partner zugeschnitten. Die Partner werden dauerhaft ins lokale Netzwerk des "Delta Netz Transfer" eingebunden. An vielen Projektstandorten werden dazu überregionale und landesweite Netzwerke etabliert.

Lernangebote

Die Lernangebote sind niedrigschwellig und offen gestaltet. Beispielsweise in Form von Lerncafes. So ist die Hemmschwelle daran teilzunehmen möglichst gering. Um die Hemmschwelle weiter zu senken, werden vor allem alltägliche Grundbildungsthemen bearbeitet:

  • Ernährung
  • Finanzen
  • Computer, Handy, Tablet
  • ...

So werden erste positive Lernerfahrungen gesammelt ohne dass das Lesen und Schreiben im Mittelpunkt steht. Negative Schulerfahrungen können durch neue positive Lernerfahrungen ersetzt werden. Dadurch erfahren die Teilnehmer*innen Selbstwirksamkeit. Die Motivation und das Interesse am Lernen wird gefördert. Alte Lernhemmnise können so überwunden werden. Ist das Interesse geweckt, können in den Angeboten immer mehr Lese- und Schreibangebote gemacht werden.

Die Lernangebote sind teilnehmendenorientiert konzeptioniert. Mache Teilnehmer*innen sind irgendwann soweit und können in einen strukturierten Lese- und Schreibkurs der Kooperationspartner vermittelt werden. Das Projekt "Delta Netz Transfer" arbeitet hier vor allen mit den lokalen Volkshochschulen zusammen. Im Projekt sollen keinen Parallelstrukturen zu den strukturierten Lese- und Schreibangeboten der Volkshochschulen geschaffen werden. Diese Angebote sollen durch niedrigschwellig, alltagsorientierte und offen Angebote des internationalen Bundes ergänzt werden. Dazu ist eine ganz neue Art der kooperativen und sich ergänzenden Zusammenarbeit zwischen den Trägern notwendig.

Andere Teilnehmer*innen können ihre Lese- und Schreibförderung besser in einer Einzelförderung verbessern. Gerade in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ist dieses Lernformat sehr erfolgreich. An den Projektstandorten wird die Einzelförderung durch Projektmitarbeiter*innen und Ehrenamtliche umgesetzt. Die Einbindung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen hat daher durch die pandemische Lage an Bedeutung zugenommen.

sozialpädagogische Begleitung

Der Start

Häufig startet die sozialpädagogische Begleitung der Teilnehmer*innen schon bei der Akquise. Die Partner im Sozialraum werden durch die sozialpädagogische Begleitung sensibilisiert, geschult und ins Netzwerk des "Delta Netz Transfers" eingebunden. Geben sich Betroffenen bei Partnern zu erkennen, können sie gemeinsam mit der sozialpädagogischen Begleitung in die Lernangebote des internationalen Bundes überführt werden.

In anderen Fällen nehmen Betroffen von sich aus an Grundbildungsangeboten des Internationalen Bundes teil. Auch diese werden auf ihrem Weg ins Lernen sozialpädagogisch begleitet.

Lernangebote begleiten

Die Lerner*innen werden auch während des Lernens begleitet:

  • in Lernangeboten des "Delta Netz Transfers" und
  • in strukturierten Lese- und Schreibangeboten der Kooperationspartner

Gemeinsam werden Lernhemmnisse identifiziert und nach Lösungen gesucht. Bei weitergehenden Problemen werden die Lerner*innen zusätzlich in andere Hilfsangebote (z.B. Schuldnerberatung, Familienberatung) vermittelt und weiter begleitet.

Übergänge begleiten

Für die Betroffenen sind Übergänge zwischen den Institutionen große Herausforderungen. Dabei wechseln sie zwischen den

  • Partnern im Sozialraum der Betroffenen,
  • Kooperationspartnern (z.B. Volkshochschulen) und
  • Lernangeboten des "Delta Netz Transfers".

Diese Übergänge sollen sozialpädagogisch begleitet werden. Damit werden Lernabbrüche verhindert und Hemmnisse beim Wechsel abgebaut.

Die sozialpädagogische Begleitung ist damit in der gesamten Förderkette etabliert. Eine solche Arbeit setzt eine enge und kooperative Zusammenarbeit mit Partnern im Sozialraum und den Kooperationspartnern voraus.

Transfer

Ein Schwerpunkt der Projektarbeit liegt darin, die Projektarbeit und -ergebnisse über die Projektlaufzeit hinaus zu transferieren. Dabei sollen die erfolgreichen Konzepte und Maßnahmen in die Arbeit des Internationalen Bundes überführt werden. Hier liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der sozialpädagogischen Begleitung von gering Literalisierten.

Das Projekt "Delta Netz Transfer" wird zwischen dem 15.09.2021 und 14.09.2024 an vier Standorten des Internationalen Bundes umgesetzt: Koblenz, Neuenhagen, Schwerin und Suhl. Das Projekt wird durch die IB Hochschule Berlin wissenschaftlich begleitet. Die Projektleitung und -koordination übernimmt die Zentrale Geschäftsführung des Internationalen Bundes. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung innerhalb der Alphadekade.

Standorte

IB Koblenz

IB Neuenhagen

IB Schwerin

IB Suhl

Ansprechpartner*innen

Projektsteuerung
Internationaler Bund e.V.
Zentrale Geschäftsführung
Ressort Produkte und Programme

Koordination
Daniela Herrmann
E-Mail: daniela.herrmann@ib.de
Tel.: 069/94545-182

Wissenschaftliche Begleitung
IB Hochschule Berlin
Stefan Lindemann
E-Mail: stefan.lindemann@ib.de
www.ib-hochschule.de

Projektstandorten: 

IB Koblenz
Kai-Uwe Thormann
E-Mail: kai-uwe.thormann@ib.de
Tel.: 0261/9835725

IB Neuenhagen
Daniela Paul
E-Mail: daniela.paul@ib.de
Tel.: 03342/21584

IB Schwerin
Romy Sadewasser
E-Mail: romy.sadewasser@ib.de
Tel.: 0385-2082418

IB Suhl
Gerd Gneist
E-Mail: gerd.gneist@ib.de
Tel.: 03681/3512860